businessdistressed debtKrisenmangementlawnon performing loansNon Performing Loans (NPLs) verstehen – Teil II: NPLs verkaufen

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Die Spezialbetreuung

Unterschiedliche Gläubiger nennen ihre Workoutabteilungen auch unterschiedlich: in Banken heißen diese Abteilung oft “Intensivbetreuung” oder einfach “Workout”, bei Servicern ist meist von “Loan Asset Management” die Rede, bei der FMS Wertmanagement als bundeseigener Abwicklungsanstalt spricht man in Asset Klassen, die abgewickelt werden (zum Beispiel “Commercial Real Estate”). Am Ende des Tages haben all diese Bezeichnungen eines gemeinsam: sie spiegeln wider, dass es für die Betreuung notleidender Kredite mehr bedarf als nur das “ganz normale” bankinterne Handwerkszeug. Warum neben dem bankinternen “Workout” notleidender Kredite auch der Verkauf wichtig und wertvoll ist, beleuchtet der nachfolgende Artikel.

Öffentliche Wahrnehmung

Die öffentliche Wahrnehmung in Bezug auf Non Performing Loans ist geprägt von der Zeit der ersten NPL-Verkäufe in Deutschland. Die Presse war voll von Skandalmeldungen: “Banken verhökern ihre Kredite an amerikanische Heuschrecken” wurde damals skandiert. Binnen kürzester Zeit fanden sich “Opferwebsites” im Internet, es kam zu einer Spezialisierung von Rechtsanwälten auf die Vertretung von “verkauften Darlehensnehmern”, die zumeist sehr einseitig davon berichteten, dass ihre langjährige Geschäftsbeziehung zu ihrer Hausbank mit Füßen getreten worden sei, indem diese das Darlehen an einen Finanzinvestor verkauft habe. Dieser bestehe jetzt auf die sofortige Rückzahlung des Darlehens und riskiere damit nicht nur die langjährige Geschäftsbeziehung, sondern gefährde Existenzen. Dieses Vorgehen der ursprünglichen Gläubigerbanken sei unethisch und nicht hinnehmbar.

Was in der Darstellung der Betroffenen leider zumeist fehlte, war ein ganz wesentlicher Aspekt: Der Vertragsbruch lag eben gerade nicht auf Seiten der darlehensausreichenden Bank. Diese hatte ihre Verpflichtungen vollumfänglich erfüllt, nämlich das Darlehen ausgereicht. Im Gegenzug wurde jedoch vereinbart, dass zu vorher festgelegten Zeitpunkten die Darlehensraten zurück zu zahlen sind- und zwar vom Darlehensnehmer. Dies versäumte jener jedoch, wurde mehrfach gemahnt und so wurde das Darlehen notleidend. Manchmal vom Darlehensnehmer beabsichtigt und manchmal nicht. Am Ende des Tages greift jedoch bei der Nichterfüllung der darlehensvertraglichen Pflichten ein Mechanismus, dem beide Parteien bei Darlehensvertragsunterzeichnung ausdrücklich zugestimmt haben:  die Sicherheitenverwertung, um über diese die Rückzahlung des Darlehens sicher zu stellen. In vielen Verträgen ist auch niedergelegt, dass der Verkauf des Darlehens im Falle eines Zahlungsverzugs explizit erlaubt sein soll.

Der Verkauf von NPLs

Im Nachgang der Finanzkrise wurde deutschen Banken eine neue Regulatorik auferlegt, die vor allem zum Ziel hat, höhere Eigenkapitalquoten durch die Banken vorhalten zu lassen. Dabei spielt die in den Banken bestehende Quantifizierung des Risikoparameters “Loss Given Default ” (LGD) eine wesentliche Rolle, da dieser den rechnerischen Verlust, der durch Eigenkapital gedeckt sein muss, abbildet. Denklogisch steigt der LGD eines Darlehensportfolios, wenn die hierin enthaltenen Darlehen notleidend sind und damit auch das Erfordernis, Eigenkapital vorzuhalten. Der Schluss der Banken, Darlehen zu verkaufen, um Eigenkapitalpuffer für andere Geschäftszweige nutzen zu können, ist deshalb naheliegend. Durch die sinkende NPL-Quote kann auch das Rating gesteigert und die Refinanzierungskosten gesenkt werden, was zu mehr Wettbewerbsfähigkeit führt. All dies dient am Ende aber eben nicht nur den Banken, sondern vor allem auch der Wirtschaft.

Positive Effekte auf die Wirtschaft

Positive Effekte hat der Verkauf von NPLs seitens der Banken deshalb, weil die Banken sich nicht auf das sehr personal- und kostenintensive Workoutgeschäft konzentrieren müssen und gleichzeitig mehr Gestaltungsspielraum bei der Neuausreichung von Krediten haben. Entgegen der landläufig häufig behaupteten Aussage, die Banken stopften hierdurch an einer Stelle alte Löcher, um neue aufzureißen, ist übrigens verfehlt. Es gab sicherlich Zeiten, in denen in manchem Bankhaus recht unvernünftig mit der Kreditvergabe umgegangen wurde, die Lehren der Finanzkrise wurden jedoch gezogen und die Maßgaben, nach denen Darlehen vergeben werden dürfen, sind an wesentlich höhere Anforderungen geknüpft. Die Gründe dafür, warum Darlehen nicht mehr bedient werden können, sind vielfältig und gerade in Zeiten von Corona muss nicht tief gegraben werden, um zu verstehen, warum viele Darlehensnehmer ihre Raten derzeit nicht mehr bezahlen können. Gerade in Zeiten wie diesen ist indes eine positive Grundstimmung, was die Kreditvergabe bei den Banken angeht, wesentlich, um die Wirtschaft in und nach der anstehenden Rezession wieder anzukurbeln. Sind die Darlehensgeber jedoch mit notleidendem Kreditgeschäft über die Maßen belastet, kann dieser für die Wirtschaft so wichtige Motor nicht anlaufen und notwendige Kredite können nicht ausgereicht werden.

Fazit

Der Verkauf notleidender Kredite ist ein ganz wesentliches Werkzeug, um die Kreditvergabemöglichkeiten der Banken aufrecht zu erhalten. Er wirkt wie ein Katalysator für die Banken und aufgrund der positiven Effekte für das so wichtige Neukreditgeschäft auch für die gesamte Wirtschaft.

 

 

 

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