UnkategorisiertNPL Management in Zeiten der gesellschaftlichen Krise

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Notleidende Kredite (NPLs)

Kredite werden notleidend (non performing loans/ „NPLs“), weil sie vom Kreditnehmer nicht mehr bedient werden können. Dies kann viele Gründe haben und ist auch abhängig von der Art des Kredits: handelt es sich um eine Büroimmobilie mit einem Einzelmieter, der aus bestimmten Gründen seine Miete nicht mehr begleichen kann, sieht sich der Eigentümer der Immobilie vor der Problematik, aufgrund des Mietausfalls seine Darlehensraten nicht mehr zahlen zu können. Handelt es sich indes um einen Privatkundenkredit und wird der Kreditnehmer arbeitslos, kann die Finanzierung nicht mehr bedient werden und wird deshalb notleidend.

Bearbeitung notleidender Kredite

Aus den Darlehen werden so genannte „non performing loans“, deren Bearbeitung dann nicht mehr beim klassischen Geschäfts- oder Privatkundenbetreuer absolviert wird, sondern die in der Regel in der Workoutabteilung der Banken bearbeitet und im Zweifel auch abgewickelt werden. Banken haben immer die Möglichkeit, notleidende Kredite an sogenannte „Servicer“ zu verkaufen oder über externe Servicer managen zu lassen, die sich um die Abwicklung kümmern. Vorteil dieser Vorgehensweise ist die professionelle Abarbeitung der notleidend gewordenen Kredite von NPL- Profis ohne die Reputation der ursprünglich kreditausreichenden Bank ins Risiko zu stellen. Dies kann immer dann passieren, wenn Kreditnehmer sich von den Banken ungerecht behandelt fühlen. Am Ende handelt es sich bei der Einleitung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen jedoch um rechtsstaatliche Maßnahmen, die zur Beitreibung von Forderungen möglich und erlaubt sind und keinerlei rechtliche Verstöße bedeuten. Sie sichern letztlich die Erfüllung vertraglicher Vereinbarungen: und diese umfassen eben die Verpflichtung des Darlehensnehmers, seine Darlehensverpflichtungen gegenüber seiner Bank zu erfüllen. Die Gegenwehr der Darlehensnehmer besteht meist in der Argumentation, dass sie ja über Monate und Jahre immer brav ihren Verpflichtungen nachgekommen sind, und nun, in die Krise gekommen von der Bank kein Entgegenkommen erfahren. Subjektiv betrachtet stellt dies sicherlich eine gewisse Argumentation dar, gleichzeitig kann es sich eine Bank schlicht nicht leisten, Schuldnern ihre Darlehensverpflichtungen zu erlassen. So krass die Kündigung eines Darlehens im Einzelfall erscheinen mag, so wichtig ist sie für die wirtschaftliche Gesundheit der Bank, die für ausgefallene Kredite Risikovorsorge aufbringen muss, was wiederum ihr Tagesgeschäft stark bremst, kann sie doch Neugeschäft nur machen, wenn ihr Portfolio nicht mit Altlasten gefüllt ist.

Notleidende Kredite in der Coronapandemie

NPLs wegen Corona

Nun handelt es sich in der derzeitigen Phase nicht um eine „normale“ Zeit, sondern um eine gesellschaftlich enorm angespannte Krisensituation, die durch die mittlerweile seit über einem Jahr andauernde Coronapandemie entstanden ist. Diese Sondersituation veranlasst derzeit viele Banken, aber auch die Servicer von NPLs sich davor zu wappnen, dass im Zuge des Auslaufens von Stundungsvereinbarungen, Moratorien oder Staatshilfen, nunmehr eine Welle von NPLs auf die deutsche Wirtschaft zukommt. Ob es wirklich eine Welle ist, die zu einem bestimmten Zeitpunkt bricht oder ein eher schleichender Prozess, der sich über viele Jahre hinzieht, weiß heute noch niemand. Dass diese Krise jedoch ohne neu entstandene NPLs überwunden werden kann, scheint nahezu ausgeschlossen.

Wie geht man mit coronabedingten NPLs um?

Eine fast ethische Frage ist nun, ob man mit Blick auf notleidend gewordene Kredite nach der Pandemie einfach so weiter macht wie vor der Krise. Immerhin befindet sich unsere Gesellschaft nicht in einem Normalzustand, zu dem zurück zu kommen auch einiges an Zeit erforderlich sein dürfte. Im Zuge dieser Überlegungen kommt die Frage zum Tragen, wie man Menschen (Kreditnehmern), die in der Pandemie vielleicht nahe Angehörige oder ihre Existenz verloren haben, eigentlich behandeln möchte. Dass Banken trotzdem auch nach der Krise weitermachen müssen, um nicht selbst in Schieflage zu geraten, spricht stark dafür, dass die Tendenz zum Verkauf und anschließenden Servicing von notleidenden Krediten geht- zum einen, um sich als Bank schnell zu erholen (was für die wirtschaftliche Erholung der Wirtschaft unabdingbar ist), zum anderen um Externen das sensible Handling von zahlungsunfähigen Schuldnern zu überlassen. Für die Servicer bedeutet dies aber auch ein Umdenken- „treat your customer fairly“, also das Serviceelement bei der Beitreibung von Schulden, wird viel stärker in den Vordergrund gerückt werden als dies noch vor der Krise der Fall war.

Fazit

Nach meinem Dafürhalten bedarf es zur Abwicklung coronabedingt notleidend gewordener Kredite durch Servicer mehr denn je individueller Beratung und Betreuung- sei es, um als „Servicer der Bank“ nach außen auf zu treten oder im Falle eines echten Kreditverkaufs das Servicing auf eigene Rechnung so zu gestalten, dass man wirklich zu guten, nachhaltigen und vor allem mit den Schuldnern einvernehmlichen Lösungen kommt. Hierfür bedarf es viel Expertise, um alle Handlungsoptionen zu kennen- das 0-8-15- Programm mit automatisierten Beitreibungstelefonaten, die von Roboterstimmen durchgeführt werden, dürften hierfür nicht ausreichen, um der gesellschaftlichen Gesamtsituation während, vor allem aber auch nach der Krise gerecht zu werden.

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