CoronavirusNPLPandemieNon performing loans und Corona I

NPLs in der Corona Pandemie

Infolge der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) ist die Wirtschaft plötzlich zum Erliegen gekommen. Die Pandemie hat viele Länder und ihre Finanzsysteme schwer mitgenommen. In Zeiten wie diesen steigt die Zahl der Kredite, die nicht zurückgezahlt werden können. Diese „non performing loans“, also Kredite, die nicht mehr bedient werden, sind eine gute Kennzahl, um zu beurteilen, wie stark Banken und ganze Finanzsysteme von einer Krise betroffen sind.

Lessons learnt

Die Corona Pandemie ist nicht die erste Krise, die das Finanzsystem in Schieflache geraten lässt. Die Finanzkrise des Jahres 2008 zog zuletzt ebenfalls weite Kreise, die insbesondere bestimmte Handlungsweisen in Hinblick auf den Umgang mit NPLs zur Folge hatte. Es ginge sicher zu weit, die Finanzkrise 2008 mit der Coronakrise zu vergleichen- viel weitreichender sind die Ausmaße letzterer. Dennoch gibt es große Parallelen- der Anstieg der notleidenden Kredite ist eine davon.

Vergleich: Finanzkrise – Coronakrise

Es ist mittlerweile bekannt und durch verschiedene Studien belegt, dass der angemessene Umgang mit NPLs für die wirtschaftliche Erholung von Banken und Finanzsystemen maßgeblich ist. Hieraus folgt, dass auch jetzt wohl überlegt sein will, wie mit den NPLs verfahren werden soll. Durch die Finanzkrise 2008 wurden einige Sicherungsmechanismen eingeführt, die die Krise jetzt durchaus abzufedern vermögen: Die Kapitalausstattung der Banken ist höher und die Einführung der Rechnungslegungsstandards IFRS 9 erleichtern die Anerkennung von NPLs. Gleichzeitig werden die höhere Staatsverschuldung sowie die geringere Profitabilität der Banken dazu führen, dass die Abwicklung notleidender Kredite zu einer Herausforderung wird.

Bedeutung hoher NPL Quoten

Ein hohes Niveau an notleidenden Krediten ist deshalb problematisch, weil sie die Bankbilanzen beeinträchtigen, das Kreditwachstum dämpfen und die wirtschaftliche Erholung verzögern. Anhaltend hohe NPL-Quoten gaben in mehreren europäischen Ländern nach der Krise 2008  Anlass zur Besorgnis, und die COVID-19-Pandemie hat durchaus Potenzial, zu einem Wiederauftreten dieses NPL-Problems zu führen.
Hohe NPL-Quoten sind ein häufiges Merkmal von Bankenkrisen und werden oft im Zusammenhang mit solchen Ereignissen untersucht.  Das Ergebnis ist: Die meisten Bankenkrisen führen zu hohen NPL- Levels.

Während Krisen folgen NPLs typischerweise einem umgedrehten U- Muster: Sie beginnen auf bescheidenen Niveaus, steigen zu Beginn der Krise rasch an und erreichen einige Jahre danach ihren Höhepunkt, bevor sie sich stabilisieren und wieder zurückgehen. Nach einer Krise steigen die NPLs im Durchschnitt auf das Dreifache ihrer Vorkrisenwerte an.

Umgang mit NPLs

Die Länder gehen unterschiedlich mit notleidenden Krediten um, haben aber durchaus etliche Möglichkeiten, um ihre Abwicklung zu begünstigen und vor allem zu beschleunigen. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil Banken meist keine Kapazitäten für die Neukreditvergabe haben, wenn ihre Portfolios noch von zu vielen NPLs belastet sind. Politisch indizierte Maßnahmen wie etwa die regelmäßige Überprüfung der Kredite danach, ob sie notleidend sind und deshalb schnellstmöglich umstrukturiert werden müssen, können die Abarbeitung  hoher NPL-Quoten ebenso erleichtern wie die Gründung von Bad Banks, die die toxischen Geschäftsteile übernehmen und der verbleibenden Good Bank somit genug Kapazität zurückgeben, um sich auf die Neukreditvergabe zu konzentrieren. Als Vermögensverwalter können Bad Banks dann ohne Neugeschäftsdruck die schlechten Geschäftsteile abarbeiten
und sich stark spezialisiert der Wertmaximierung der übernommenen Vermögenswerte widmen.

Obwohl es mittlerweile bekannt ist, dass der beherzte Umgang mit notleidendem Kreditgeschäft, der zeitnah nach oder besser noch während einer Krise erfolgt, maßgebend dafür ist, wie gut die Krise gemeistert werden kann, zeigt die Vergangenheit, dass nach Krisen oftmals mehr Augenmerk darauf lag, möglichst gesichtswahrend aus eben diesen heraus zu kommen, anstatt Probleme offen anzugehen. Sicherlich ist es für eine Bank angenehmer, davon zu berichten, dass das Geschäft boomt als dass es zu Kreditausfällen in Milliardenhöhe kam.

Insofern war es während der Finanzkrise 2008 mit Sicherheit schwieriger für die Banken darzulegen, wie groß die toxischen Teile des Kreditportfolios wirklich waren- warum, liegt auf der Hand: Viele Kredite wurden alles andere als überraschend notleidend, sondern wurden trotz aller Unsicherheiten abgeschlossen, um die Neugeschäftsquote aller Marktkonkurrenten zu übertreffen. Durch wesentlich strengere Kreditvergaberegeln versuchte man im Nachgang der Finanzkrise des Jahres 2008, dieser Bankenmentalität einen Riegel vorzuschieben.

Es bleibt deshalb wirklich zu hoffen, dass in Zeiten, in denen es wegen eines  internationalen Lock-Downs zu Rückzahlungsschwierigkeiten der Kreditnehmer kommt, offener mit den bankinternen Problemen umgegangen werden kann. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der zügigen und geordneten Abarbeitung von notleidenden Kreditportfolien sollte gerade mit Blick auf die verheerenden Effekte der Corona Pandemie der Treiber sein.

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